Maßnahmen bei Netzengpässen

ACM beschließt Maßnahmen gegen Netzengpässe und veröffentlicht Annahmen für künftige Tarifanpassungen
Die Verbraucher- und Marktaufsichtsbehörde (ACM) hat wichtige Maßnahmen zur Überlastung der Netze beschlossen, um Großverbraucher dazu zu bewegen, das Stromnetz in Spitzenzeiten weniger zu belasten. Diese ACM-Netzüberlastungsmaßnahmen sollen Platz für andere Verbraucher und Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien schaffen. Die ACM geht davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Maßnahmen notwendig sein werden, um die flexible Nutzung des Stromnetzes durch angepasste Tarife zu fördern und die Kosten langfristig überschaubar zu halten. Daher hat die ACM Grundsätze festgelegt, die sie bei künftigen Tarifanpassungen anwenden wird.
Im April 2024 kündigte die ACM ein breites Maßnahmenpaket gegen Netzengpässe an. Mit der Veröffentlichung dieser drei Beschlüsse hat die ACM nun fast alle angekündigten Maßnahmen gegen Netzengpässe verabschiedet. Die ACM betont, wie wichtig eine rasche Umsetzung dieser Maßnahmen durch die Beteiligten ist, und hat dafür eine knappe, aber realistische Frist gesetzt.
Manon Leijten, Vorstandsmitglied der ACM, erklärt: “Mit diesen Beschlüssen hat die ACM ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen Netzengpässe geschnürt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Parteien schnell mit der Arbeit daran beginnen. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass in Zukunft weitere Maßnahmen erforderlich sein werden. Die festgelegten Kriterien geben Aufschluss darüber, welche Vorschläge die Tarifstruktur verbessern können. Die ACM ist gerne bereit, mit den Netzbetreibern und anderen interessierten Parteien in Gespräche einzutreten, um diese und andere Anpassungen weiter auszuarbeiten.”
Maßnahmen zur Überlastung der Netze, um eine flexible Nutzung zu fördern
Netzengpässe treten in Spitzenzeiten auf, wenn die Stromnachfrage das Angebot übersteigt, das das Netz bewältigen kann. Außerhalb dieser Spitzenzeiten ist jedoch ausreichend Kapazität vorhanden. Daher erhalten Großverbraucher, die an das nationale Hochspannungsnetz von TenneT angeschlossen sind, ab dem 1. Januar 2025 einen Preisnachlass, wenn sie ihren Anschluss während der Spitzenzeiten weniger nutzen. Großverbraucher, die ihren Anschluss in den Spitzenzeiten tatsächlich voll ausnutzen, zahlen mehr. Ab dem 1. April 2025 können die Netzbetreiber auch Verträge anbieten, die es Großverbrauchern ermöglichen, ihren Anschluss während der Spitzenzeiten überhaupt nicht zu nutzen und dafür einen niedrigeren Tarif zu erhalten. Diese Art von Verträgen ist ideal für Unternehmen, die ihren Verbrauch gut regulieren können. Großverbraucher an regionalen Netzen können ihren Anschluss mit solchen Verträgen nur zu vereinbarten Zeiten nutzen (Zeitblockvertrag). Großverbraucher im Hochspannungsnetz können ihren Anschluss mindestens 85% der Zeit nutzen (Zeitblockvertrag).
Ausgangspunkte für künftige Tarifanpassungen
Die ACM geht davon aus, dass in den kommenden Jahren zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der flexiblen Nutzung des Stromnetzes erforderlich sein werden. Daher hat die ACM Ausgangspunkte für zukünftige Tarifstrukturen festgelegt. Netzbetreiber und andere Interessengruppen können diese Ausgangspunkte bei der Ausarbeitung von Änderungsvorschlägen verwenden. Generell bewertet die ACM Änderungen, die in den Grundprinzipien positiv bewertet werden, positiv. Die ACM kann auch eigene Vorschläge auf der Grundlage dieser Grundsätze entwickeln und annehmen.
Ein Beispiel für neue Tarifstrukturen ist die Einführung eines Einspeisetarifs, den die ACM derzeit prüft. Bei einem Einspeisetarif müssen die angeschlossenen Parteien, die Strom importieren, auch zu den Übertragungskosten beitragen, wodurch die Kosten für andere Netznutzer gesenkt werden. Derzeit werden die Übertragungskosten nur von den Kunden bezahlt. Ein weiteres Beispiel ist die Tarifdifferenzierung für Kleinverbraucher, die die Netzbetreiber derzeit untersuchen. Kleinverbraucher mit einem Anschluss von bis zu 3×25 Ampere zahlen derzeit unabhängig von ihrem Verbrauch den gleichen Tarif.
Die Netztarife machen einen immer größeren Teil der Energierechnungen aus. Alle den Netzbetreibern entstehenden effizienten Kosten müssen gerecht, objektiv und transparent auf die verschiedenen Arten von Netznutzern aufgeteilt werden. Eine Differenzierung der Tarife nach Nutzertypen ist nur möglich, wenn sie den europäischen Grundsätzen der Kostenwahrheit, der Systemeffizienz, der Transparenz und der Nichtdiskriminierung entspricht. Die ACM betont, dass es sich immer um eine Verteilungsfrage handelt: Wenn ein Netznutzer weniger zahlt, müssen andere mehr zahlen. Schließlich ändern sich die Gesamtkosten für den Betrieb der Netze nicht. Die ACM darf also Unternehmen nicht dazu zwingen, einen niedrigeren Tarif zu zahlen, weil sie sonst im Wettbewerb mit Unternehmen in anderen Ländern nicht mithalten können. Wenn es gesellschaftlich gewollt ist, bestimmte Sektoren oder Nutzertypen unterschiedlich zu behandeln, sollte dies außerhalb der Tarifstruktur geschehen, zum Beispiel durch Subventionen.
Quelle: ACM
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